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TenCate Geosynthetics bietet nachhaltige, langlebige und ressourcenschonende Produkte und beteiligt sich aktiv an der Forschung zu Recycling und abbaubaren Rohstoffen, berichtet Jürgen Gruber, Director Marketing & Sales EMEA, im Interview.

Wie tragen die Geokunststoffindustrie insgesamt und speziell TenCate Geosynthetics zum Erreichen der aktuellen Nachhaltigkeitsziele in Europa bei?

Jürgen Gruber: Das vorrangige Ziel der Europäischen Union ist es, 2050 die CO2-Neutralität zu erreichen. Kürzlich wurde als Zwischenziel eine Reduktion der CO2-Emissionen um 40% bis 2030 definiert. Dieses Ziel wird derzeit mit der Energiewende, der Verkehrswende von fossilem Brennstoff zu Elektromotoren, verfolgt. 

Die Bauwirtschaft steht noch nicht im Fokus der Politik, obwohl sie global mit ca. 38% zum CO2-Ausstoß beiträgt. Auch differenziert man innerhalb der Bauwirtschaft bisher nicht ausreichend, welche Baumaterialien und Bauweisen den Nachhaltigkeitszielen helfen, und welche nicht. 

Die Lösungen mit Geokunststoffen in der Infrastruktur sind nachweislich außergewöhnlich nachhaltig, energieeffizient und CO2-emissionsschonend. Wir bieten der Politik langjährig erprobte Technologien für die Bauwirtschaft, die dem Ziel der CO2-Neutralität dienlich sind.  

Die funktionelle Lebensdauer von Geokunststoffen beträgt hundert Jahre und mehr. Auch das ist ein großes Plus im Vergleich zu anderen Baustoffen, die bereits nach 20 oder 25 Jahren rückgebaut und recycelt werden müssen.

Mit nachhaltigen, energieeffizienten und CO2-emissionsschonenden Geokunststoffen hält die Bauwirtschaft Technologien bereit, die zur CO2-Neutralität beitragen.

Jürgen Gruber, Director Marketing & Sales EMEA

Für welche Teilprozesse in der Geokunststoffherstellung und -Anwendung gilt das?

Jürgen Gruber: Diese Aussage ist von der Produktion des Baumaterials über die Herstellung des Bauwerks bis zur Nutzungsdauer des Infrastrukturobjektes gültig. Selbst für den Rückbau des Bauwerks, für das Trennen und Wiederverwenden der Einzelbestandteile gibt es konkrete Konzepte.  

Das Recycling von Geokunststoffen erfolgt nach dem aktuellen Stand der Technik. Derzeit hauptsächlich durch thermische Verwertung: Das heißt, man kann das Material nach der Lebensdauer vom Boden trennen. Der Geokunststoff aus unserem Unternehmen wird thermisch verwertet. So entsteht verwendbare Energie – zum Beispiel fürs Heizen oder für einen anderen Zweck, für den sonst fossile Brennstoffe verwendet würden.  

Das ist aus unserer Sicht eine brauchbare, aber noch keine optimale Lösung. Wir trachten als Industrie danach, dass die Produkte nach dem Rückbau der Baukonstruktion instandgesetzt und in die Kreislaufwirtschaft zurückgebracht werden, sodass sie wieder für ähnliche Produkte nutzbar sind. Damit befassen sich Experten im Rahmen des Projekts „Missing Link“ des Kunststoff-Clusters Oberösterreich, wo wir bereits seit vielen Jahren aktiver Partner sind. 

Mikroplastik ist in der Öffentlichkeit ein großes Thema. Warum sind die Produkte von TenCate Geosynthetic ein Teil der Lösung und nicht des Problems? 

Jürgen Gruber: Unsere Geokunststoffprodukte befinden sich zu 99% in ruhenden Beanspruchungen in Bauwerken. Das bedeutet, dass keine mechanische Einwirkung Mikroplastik aus dem Geokunststoff lösen kann. Ausgeschlossen sind auch chemische Beanspruchungen im Bodenkontakt, die dem Geokunststoff zusetzen würden. 

Die Diskussion zum Thema Mikroplastik muss aus meiner Sicht etwas umfassender betrachtet werden. Eine Hauptquelle für Mikroplastik ist der Reifenabrieb, zum Beispiel beim Transport von Baumaterialien auf die Baustelle.

Es gibt bereits unzählige Fallstudien, die zeigen, dass Geokunststoffe durch ihre Multifunktionalität ein geringeres Transportvolumen aufweisen als konkurrierende Bauweisen. Vergleichsberechnungen zum Tragschichtbau bei Straßenkörpern ergeben eindrucksvoll die Reduktion von Transportkapazitäten auf weniger als 1/100 bei Verwendung von Kunststofflagen anstelle von mineralischen Zusatzlagen. 

Allein der Reifenabrieb macht bei weitem mehr als der Geokunststoff in seiner Gesamtheit an Mikroplastik bilden könnte, wenn er sich zersetzen würde – was er jedoch nicht tut: Wenn man einen Geokunststoff nach mehreren Jahrzehnten Funktionalität im Bauwerk ausgräbt, ist er in seiner Beschaffenheit noch genauso wie am Anfang.  

Welchen Effekt hat die Verwendung von Geokunststoffen auf die CO2-Emissionslast? 

Jürgen Gruber: Studien der ETH Zürich belegen, dass Bauweisen mit Geokunststoffen zu einer Reduktion der CO2-Emissionen um 80 bis 85 Prozent führen. Zugleich ist der Energieaufwand um 70 bis 75 Prozent geringer. Diese Zahlen sind im Vergleich zu konventionellen Bauweisen gesetzt.

Welche Alternativen gibt es zu Geokunststoffen? 

Jürgen Gruber: Auf Geokunststoffe zu verzichten bedeutet, mehr natürliche Ressourcen wie Kies und Sand einzubauen und massive Transportwege in Kauf zu nehmen.

Eine weitere Alternative sind chemische Bindemittel in Form von Zement und Kalk bei schlecht tragfähigen Böden. Dabei bleiben alle genannten Vorteile zum Thema Umweltunbedenklichkeit sowie die Möglichkeit, die Kreislaufwirtschaft nach Gebrauchsende des Bauwerks zu schließen, ungenutzt. 

Was macht Geokunststoffe umwelttechnisch sicher? 

Jürgen Gruber: Unsere Geokunststoffe müssen eine Umweltunbedenklichkeitsprüfung durchlaufen. Dazu werden sie über längere Zeit in Wasser eingelegt und es wird überprüft, ob sich Stoffe aus dem Produkt lösen. Zur Bewertung werden die Grenzen für Trinkwasser angesetzt.  

Macht TenCate Geosynthetics in Sachen Nachhaltigkeit irgendetwas anders als andere Hersteller? 

Jürgen Gruber: Als Market-Leader muss man bei wichtigen Dingen Vorreiter sein. Wir wollen die Zukunft aktiv gestalten und investieren daher in Forschung für bessere Lösungen. 

Wir sind in Arbeitsgruppen präsent und versuchen, die Botschaft in den Markt zu bringen, dass es Baumaterialien gibt, die schon zu einem sehr großen Teil das erfüllen, was wir 2050 erreichen wollen, nämlich die Klimaneutralität. 

Operativ versuchen wir, so abfallschonend wie irgend möglich zu produzieren. So werden aus unseren Kunststoffabfällen Halbfertigprodukte oder Teile unserer Verpackung erzeugt. Wir repalettisieren unsere Abfälle und mischen sie im Rahmen der Normgrenze wieder in die Produkte.

Welches Zukunftspotenzial gibt es dazu in der Geokunststoffindustrie? 

Jürgen Gruber: Im Recycling wird an Möglichkeiten geforscht, die Produkte wieder zu 100% in den Prozess der Geokunststoffherstellung zu führen.  

Potenziale beinhalten auch biologisch abbaubare Rohstoffe: Aus Mais oder Zucker können biologisch abbaubare Garne hergestellt und wiederverwertet werden. Das funktioniert allerdings nur für Produkte mit einer geringen Lebensdauer.

Infrastrukturobjekte sind speziell im Tiefbau auf eine Lebensdauer von 60 bis 120 Jahren ausgelegt. Biologisch abbaubare Materialien könnten allerdings in Nischenanwendungen funktionieren, wo die Produkte frei bewittert werden. Gletscherschutz wäre ein mögliches Anwendungsfeld – hier beträgt die Produkt-Lebensdauer durch die direkte UV-Belastung drei bis fünf Jahre. Im Agrarbereich sind wir ebenfalls dabei herauszufinden, welche biologisch abbaubaren Fasern und Garne für die industrielle Nutzung in Frage kommen. Das betrifft das Abdecken von Zuckerrüben oder Stroh zur Erhöhung der Haltbarkeit und Lagerfähigkeit. 

Außerdem gibt es den Trend zur erhöhten Wiederverwendung von Recyclaten. Die Europäische Normung beschränkt die Verwendung zu Recht aufgrund von Qualitätsbedenken. Wir wollen helfen, den Wissensstand und die Qualitätskriterien voranzutreiben, um auch hier unseren Beitrag zu leisten. 

Was sind die nächsten Schritte von TenCate Geosynthetics? 

Jürgen Gruber: Die wichtigste Aufgabe der Geokunststoffindustrie sehe ich darin, schon jetzt unseren wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit einfach und verständlich für die Entscheidungsträger in der Politik darzustellen.  

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Content provided by:
Jürgen Gruber, Director Marketing & Sales EMEA

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