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Vom Vlies zum innovativen und hochwertigen Baumaterial: Norbert Wagner, Vorsitzender des Industrieverbands Geobaustoffe (IVG) und ehemaliger Managing Director TenCate Geosynthetics Germany, im Gespräch.

Wie waren die Anfänge von Geobaustoffen?  

Norbert Wagner:  Vliesstoffe wurden anfangs für Möbel oder für die Rückseite von Teppichböden verwendet. Damals war die Überlegung, die Anlagenkapazitäten auszunutzen und weitere Applikationen zu finden. So ist die Idee entstanden, die Vliesstoffe zum Verstärken und Trennen im Boden einzusetzen. Wir starteten damals mit dem Versuch, Geotextilien zu produzieren – und das war der Grundstein.

Wie war die weitere Marktentwicklung? 

Norbert Wagner: Die Marktentwicklung lässt sich kurz und prägnant beschreiben: Geobaustoffe waren zunächst absolute Sonderbauweisen, wurden dann zu genormten Standardbauweisen und sind inzwischen innovativ, nachhaltig, hochwertig und zukunftsweisend aufgrund der immer wichtiger werdenden Nachhaltigkeit.

Geokunststoffe ersetzen natürliche, nicht nachwachsende Rohstoffe und reduzieren CO2-Emissionen und Mikroplastikanfall.

Norbert Wagner, Vorsitzender IVG und ehemaliger Managing Director TenCate Geosynthetics Germany 2004 – 2016  

Warum sind Geobaustoffe aus Ihrer Sicht nachhaltig? 

Norbert Wagner: Geobaustoffe ersetzen natürliche, nicht nachwachsende Rohstoffe wie Kies, Schotter oder Zement. Beton ist ja ohnehin ein sehr heikles Thema, was Nachhaltigkeit angeht. Der Hauptansatz für die Verwendung von Geobaustoffen ist: Nicht nachwachsende Rohstoffe werden geschont, das Transportvolumen von Baustoffen wird wesentlich reduziert – und damit die Umweltbelastung durch den CO2-Ausstoß der LKW und die Mikroplastik-Belastung durch den bei Reifenabrieb entstehenden Feinstaub.

Wir können nachweisen, dass beispielsweise bei einer Kanalstrecke von 1 km rund 1.000 LKW-Ladungen an mineralischen Baustoffen benötigt würden, die durch nur eine einzige LKW-Ladung Geobaustoffe ersetzt werden können. Daraus ergeben sich unglaublich viele Vorteile, die den CO2-Ausstoß und den Mikroplastikanfall durch Reifenabrieb betreffen. Dazu gibt es inzwischen aussagekräftige Nachweise.

Sehen Sie weitere Vorteile in Bezug auf Nachhaltigkeit? 

Norbert Wagner: Ja. Ein wesentlicher Nachhaltigkeitsvorteil von einer Bauweise mit Geobaustoffen ist die Verlängerung der Lebensdauer. Speziell bei Asphaltdecken im Straßenbau kann die Lebensdauer aufgrund von Rissüberbrückung stark ausgedehnt werden. Die Lebensdauer der Asphaltdecke verlängert sich dadurch um ein Dreifaches.

Wie sehen Sie das Thema Mikroplastik bei Geokunststoffen?

Norbert Wagner: Kaum jemandem in der Zivilgesellschaft ist bekannt, dass bei mehr als 90% der Anwendungen von Geobaustoffen konstruktiv kein Mikroplastik entstehen kann, bei nahezu allen Anwendungen die Anzahl der Baustofftransporte und damit der Mikroplastikanfall durch Reifenabrieb drastisch gesenkt wird und natürliche, nicht nachwachsende Rohstoffe wie Kies, Sand und Schotter in erheblichem Umfang geschont werden.

Danke für das Gespräch. 

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Norbert Wagner, Vorsitzender IVG und ehemaliger Managing Director TenCate Germany 2004 – 2016 

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